Umbau eines MEADE 16 Zoll ACF

16 Zoll ACF Cassegrain

Umbaubericht eines MEADE 16 Zoll ACF Tubus

Ich hatte schon einige Modelle der verschiedensten SC Hersteller auf meiner bescheidenen Werkbank. Hier beispielgebend und detailliert einiges zum Umbau eines MEADE 16 Zoll ACF (16" F/10) Tubus.

 

Dieser sicherlich umfangreiche Bericht soll all denen Mut machen, die sich über schlechte Abbildungsqualität eines SC geärgert haben und daher selbst Hand anlegen wollen oder müssen. Sie setzt neben dem erkennen des Problems natürlich einen sorgfältigen und sachgerechten Umgang mit der Mechanik und Optik des Systems voraus; ist aber mit technischem Geschick gut realisierbar.

Blendrohr des ACF Dreiteiliges Blendrohr mit unterschiedlichen Maßen?

Durch positive Ergebnisse mit Umbauten und Verbesserungen eines älteren 16'' SC konnte ich bereits aufschlußreiche Erfahrungen sammeln. Denn Dezentrierung der optischen Elemente (HS<->FS<->SP) erzeugt enormen Schärfeverlust und damit axialen Astigmatismus mit resultierender Koma und verstärkter, chromatischer Aberration. Diese Unzulänglichkeiten des Systems sind oftmals in der Mechanik begründet und gut behebbar!

 

Näheres zu Änderungen als Beispiel und als "kleiner Einblick" hier:

Bilder vom Umbau des älteren 16 " Schmidt-Cassegrain

Wie alles begann...

Zentrier-Vorrichtung mit ACF Spiegeloptik

Da ich bereits das Vorgängermodell (16" SC) besaß, kam der Meade 16" ACF Tubus eher durch Zufall zu mir. Ich durfte ihn als „defektes Gerät“ käuflich erwerben, nachdem sich der Besitzer mit zahlreichen Maßnahmen vergeblich am ACF versuchte und mein Hilfsangebot ausgeschlagen hatte. Die ersten Begutachtung zeigte jedoch auch, wie schlecht es um den Gesamtzustand bestellt war. Das Gerät war zudem bereits als "optischer Patient" durch mehrere Besitzer- und Prüferhände gegangen. Mir war aber bewusst, was ich erworben hatte und dass größere Eingriffe zur Wiederherstellung der optischen Leistung nötig waren…

 

 

Muschelbrüche am Spiegelrand

Kleine Muschelbrüche von Montageschrauben

Am Anfang der Odyssee musste die Hauptspiegelverkippung beseitigt werden, die durch unsachgemäße Anbringung von Anbauten am Tubus ausgelöst wurde. Der Hauptspiegel wurde dazu durch den Tubus ausgebaut und mit einer selbstgebauten, sehr einfachen Vorrichtung in Rotation zur optischen Achse neu zentriert.

 

 

Blendrohr (Presspassung)

Blendrohr (Presspassung)

Weiterhin war leider auch messbar, dass das gesamte Spiegelsystem mit Haupt-, Fangsspiegel und der Schmidtplatte nicht symmetrisch auf der optischen Achse lag. Das Blendrohr, auf dem das Führungsrohr mit dem Hauptspiegel läuft, war etwa 3mm aus der Mittelachse gekippt. Zudem war das „schiefe“ Blendrohr fest mit Presspassung im Hauptspiegelgehäuse verbunden und ließ sich nicht zum Ausbau bewegen; einige Versuche, es zu lösen, scheiterten jedenfalls trotz thermischer Unterstützung kläglich. Beim Meade 16 Zoll ACF sind serienmässig alle Hauptelemente vom Tubus und Fassungen fest miteinander verklebt.

ACF-Spiegel mit Klemmung. Der Spiegel steht auf dem Führungsrohr.

Tubus-Umbau

Im ersten Step versuchte ich zunächst, die vorhandene Verkippung des Blendrohres mit einem Versatz des Fangspiegels durch Ausdrehen des Fangspiegelgehäuses und einem Mittenversatz in der Schmidtplatte auszugleichen. Das Ergebnis war schon sehr gut, jedoch nie so ganz zufriedenstellend…

Nach reiflicher Überlegung kam dann der Endschluß, den Tubus einer "Radikalkur" zu unterziehen. Die verklebten Tubuselemente wurden mit „leichter“ Gewalt zerlegt und genau vermessen.

 

Zerlegter Tubus mit Schmidtplattenring (lks.) und Spiegelgehäuse (rts.)

Dabei waren die Vorüberlegungen richtig, die Verkippung der Blendrohres durch Ausgleich des Hauptspiegelgehäuses um ca. 1,8 mm zum Zentrum des Tubus (als optische Achse) zu zentrieren. Die Korrektur beim Zusammenfügen des Tubus wurde im vorderen Bereich mit einem Laserpunkt (Laserkolli im OAZ) auf einer selbstgebauten Zentrierschablone (siehe Bild) geprüft, damit die Blendrohrlage mittig und zentrisch zur Schmidtplattenaufnahme lag. Bei der Montage bekam der Tubus umlaufend metrischen M4 Schrauben zur Neufixierung und im hinteren

 

 

Die Zentrierschablone aus Plexiglas.

Die Zentrierschablone aus Plexiglas.

Flanschbereich der Blendrohrführung des Hauptspiegels umlaufend als Führungselemente justierbare Kugeldruckschrauben (M6). Vor Einbau des Hauptspiegels kam die Zentrierung noch einmal ins Spiel. Diese Vorrichtung hatte mir schon bei verschiedenen Systemen, ob bei meinem alten MPT200, RCs oder SCs sehr gute Dienste geleistet.

 

 

 

 

 

Justageschrauben und Andruckring

Zwischen der Alu-Rückplatte und der Hauptspiegel-Auflage sind zur besseren Justage jetzt Druckschrauben eingebracht, ein Messing- Andruckring und ein breiter, gummierter Flachring erleichtern die Justage (siehe Bild). Abschließend wurde der Hauptspiegel (mit Führungsrohr) mit den Druckschrauben auf der Zentriervorrichtung rotationssymmetrisch zentrieren; die mangelnde Planlage der Rückseite des Hauptspiegels macht diese Maßnahme sehr sinnvoll.

 

Rotationszentrierung des Hauptspiegels

Geprüft wird die Achssymmetrie mit einem einfachen Laserkollimator, dessen Reflektionspunkt über die Hauptspiegelfläche auf eine Wand reflektiert wird.

Zentrierung mit Laserpunkt

Zentrierung mit Laserpunkt

Bei Rotation des Hauptspiegels sind die Mittenabweichungen (Dezentrierungen) als „Ausschläge“ gut sichtbar. Auf 5 Meter Entfernung war ein Ausschlag nach Justage von max. 2mm (vorher 38mm) messbar; diese Missweisung ist dann wirklich auf dem Abstand vernachlässigbar klein. Sehr wichtig beim Justieren ist der gleichmäßige Andruck der Justierschrauben gegen die Auflagefläche des Spiegels, um Astigmatismus im Hauptspiegel zu vermeiden. Dieser auftretende, dreieckige Astigmatismus ist vielfach in einschlägigen Foren bei Optiktests (PSF Surface) zu bewundern;

Anschließend wird noch in der Justiervorrichtung der Hauptspiegel mit Spülmittel und destilliertem Wasser gereinigt. Dabei tropfen die Verunreinigungen gleich in eine untergestellte Schüssel; eine weitere, vielseitige und praktische Lösung dieser einfachen Vorrichtung.

Der Fangspiegel des ACF

Der Fangspiegel

Der Fangspiegel

Um die Zentrierung des gesamten, optischen Systems zu erreichen, muss noch die Schmidtplatte mit dem Fangspiegelgehäuse exakt zentriert werden. Das Ergebnis wurde bei ausgebauten Fangspiegel mit dem GMK und entsprechenden Okularen (Seben 8-24+Fadenkreuz) überprüft. Ein Vorteil beim GMK ist, das Blendrohr und Fangspiegelgehäuse (mit Führungsrohr) zum Zentrieren durch die Ausleuchtung der LEDs vollständig sichtbar sind. Den Fangspiegel habe ich dann exakt zentrisch mit etwas Aquarium-Silikon (3 Punkte) auf den Aluträger (siehe Bild) geklebt.

Ich nutzte natürlich die günstige Gelegenheit, die

ACF mit Linearlagern und neuen Lüftern. Rechts der Auslass für die Umlufttrocknung.

Hauptspiegelfassung mit Linearlagern und Kugelspannschrauben (VA) im Flanschbereich des Hauptspiegels gegen Spiegelshifting, einem zweiten (saugenden) Lüfter gegen Tubusseeing und eine Luftverteilung mit Ein- und Auslass für aktive Umluft-Tubustrocknung durch Silikat Gel vorzusehen. Die Zollschrauben des Tubus, des Fangspiegelgehäuses und des Fangspiegels wurden ebenfalls durch metrische Schrauben ersetzt.

 

Finally...

Vorher-Nachher Vergleich, Tubus des 16" ACF und Tubus des 16" SC mit termischen Maßnahmen.

Der gesamte Tubus ist jetzt weitgehend mechanisch und thermisch optimiert, umlaufend an der Oberseite (hinter der Schmidtplatte) mit Einlassbohrungen für die gefilterte Tubusbelüftung, mit einer scharzen Velour-Auskleidung und der bewährten Außenisolierung versehen. Die bereits erwähnte, besonders effektive Tubustrocknung läuft bei Bedarf über ein umlaufendes Lüftungssystem, das zur Trocknung der Innenluft des Tubus in einem Außengehäuse mit Silikat-Gel untergebracht ist. Die Trocknung funktioniert selbst bei hoher Luftfeuchtigkeit und beschlagen der inneren, optischen Flächen schnell und effizient.

 

 

Bei offenem Himmel brachte die kurzfristige Kollimation am Stern trotz mäßigem Seeing den erwartet, schnellen Erfolg. Ein erster Test am Jupiter zeigte trotz mäßigem Seeing ein deutlich ruhigeres, farblich gutes und sehr scharfes Bild. Eindeutiger Beleg dafür, das die Spiegel des ACF von sehr guter Qualität sind und die rein mechanische Korrektur den gewünschten Erfolg brachte!

 

Bluetooth und Ethernet-Interface. Bild vor dem Einbau in die LX200 Montierung.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass durch die etwa zweimonatigen Änderungen des Tubus auch die LX200 Elektronik der Gabelmontierung nachgebessert wurde. Sie hatte neben höherer Steifigkeit eine etwas abgeänderte Elektronik, mit zusätzlicher Bluetooth -Schnittstelle und Ethernet-Anschluß.
Diese simplen Bluetooth- Schnittstelle und SkySafari (Android) hat auch schon im "Feldeinsatz" mit der EQ6 einen sehr positiven Eindruck hinterlassen;

… Eine wirklich nette Spielerei. 🙂

Auch hier musste später ein weiterer, kompletter Umbau der Gabelmontierung erfolgen...

Dieser Bericht erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit!